02.05.2018, Sachsen-Anhalt, Memleben: Ein Abendmahlkelch ist in der Sonderausstellung «Wissen + Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen» im Kloster zu sehen. Die Ausstellung erzählt von der Ankunft des Benediktinerordens im Unstruttal und von den weitreichenden Impulsen für die Kulturlandschaft. Foto: Frank May/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++

Von Benedikt bis Wladimir

Im Kloster Memleben befasst sich die Schau „Wissen und Macht“ mit der Bedeutung der Mönche für die Region an Saale und Unstrut.

Von Christian Schafmeister, Fotos: dpa

Ein wenig aufgeregt, ein wenig aufgekratzt, aber vor allem voller Vorfreude steht Andrea Knopik einige Tage vor der offiziellen Eröffnung in den Ausstellungsräumen des Klosters Memleben (Burgenlandkreis). Anfang Mai startete dort im Jubiläumsjahr der Straße der Romanik die große Sonderausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“.

Sie erzählt von der Ankunft der Benediktiner an Saale und Unstrut und dem großen Einfluss, den die Mönche in der Region im frühen Mittelalter auf Lebensbereiche wie Landwirtschaft, Architektur, Ökonomie und Bildung gehabt haben. Doch trotz dreijähriger Vorbereitung gibt es auch kurz vor dem Start noch viel zu tun.

„Heute Morgen habe ich noch eines der letzten Exponate ausgepackt“, berichtet die Museumsleiterin. Dabei handelt es sich um eine Benediktusregel, die um das Jahr 799 entstanden ist. In seinem Regelwerk hat Benedikt bereits vor 1 500 Jahren detailliert beschrieben, wie die Mönche in seinem Kloster Montecassino in Norditalien leben sollen. Noch heute ist das Werk Richtschnur für die Benediktiner. „Das Exponat haben wir aus St. Gallen in der Schweiz bekommen“, sagt die Museumsleiterin. „Aber es ist erst vor drei Tagen hier bei uns angekommen.“

Ausstellung „Wissen und Macht“ im Kloster Memleben – 1700 Jahre Geschichte auf einen Blick

Die Aufgabe bei der Vorbereitung der Ausstellung war klar umrissen. „Wir mussten 350 Quadratmeter Fläche mit 1 700 Jahren Geschichte füllen“, erläutert Andrea Knopik. Zur Wissensvermittlung dienen unter anderem 60 Exponate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Andrea Knopik für die Sonderausstellung nach Memleben hat holen können. „Dadurch haben wir uns schon geadelt gefühlt.“

Zu den wohl bedeutendsten Objekten zählen neben der Benediktusregel ein Schülerheft aus Reichenau und die Lorscher Annalen. In dem Schulheft, das aus dem 9. Jahrhundert stammt, hat ein irischer Mönch Texte zu Astronomie, Geografie und Grammatik verfasst. Damit ist das Buch ein eindrucksvoller Beleg für das Bildungsniveau, das damals in den Klöstern zu Grunde gelegt wurde. Die Lorscher Annalen – insgesamt acht Pergamentblätter aus der Zeit um 835, die aus dem Reichskloster Reichenau am Bodensee kommen – erzählen Episoden aus der Reichsgeschichte in der Zeit zwischen 703 und 803. Die Annalen gelten als ein herausragendes Beispiel für die Vermittlung von Informationen und Wissen, die damals oft durch die Mönche lief.

Doch dem Besucher werden in Memleben nicht nur kostbare Exponate gezeigt, er kann an vielen Stationen auch Dinge selbst ausprobieren und so Entwicklungen nachvollziehen. So zeigt ein Landschaftsmodell sämtliche Klöster an Saale und Unstrut. Per Knopfdruck erfahren die Ausstellungsbesucher, in welcher Zeit die einzelnen Klöster jeweils gegründet worden sind und ob dort Mönche oder Nonnen gelebt haben. Die entsprechenden Orte des Modells leuchten dann auf.

Aus der Stiftsbibliothek St. Gallen stammt ein 112 × 77 Zentimeter großes Pergamentblatt, das auf einen senkrecht stehenden Bildschirm projiziert wird. Die Zeichnung, die um 830 entstanden ist, gilt als Idealplan einer Klosteranlage. Daneben sind die Gebäude in einem Holzmodell dargestellt und mit einem roten Punkt versehen. Wer diese drückt, erfährt auf dem Bildschirm weitere Details zu dem jeweiligen Gebäude.

Eher unterhaltsam ist in der Schau ein Selbsttest, in dem der Besucher erfährt, zu welchem von sieben Orden er am besten passt. Dazu müssen zuvor neun Fragen zu Essgewohnheiten, bevorzugtem Wohnort (Stadt oder Land), dem Leben in Gemeinschaft oder materiellen Wünschen beantwortet werden.

Zehn Persönlichkeiten begleiten Besucher durch die Ausstellung „Wissen und Macht“ im Kloster Memleben

Begleitet werden die Besucher auf ihrem Rundgang von zehn Persönlichkeiten, die mit Memleben in Verbindung stehen und über die Schautafel informieren. Dazu zählen neben Benedikt auch Kaiser Otto II. und seine Frau Theophanu, die das Kloster Memleben 973 gegründet haben, und der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel. Er äußert sich 1816 in einem Schreiben an das preußische Innenministerium lobend und wohlwollend über die Anlage. Eine entsprechende Graphitzeichnung wird dort nun erstmals präsentiert.

Auch an Kinder haben die Organisatoren – ein Team aus sieben Historikern, Religions- und Kulturwissenschaftlern und Theologen – gedacht. So bieten Schüler des Burgenland-Gymnasiums in Laucha ein Mal im Monat eine spezielle Führung für Kinder und Jugendliche an. Begleitet werden sie dabei von Wladimir, der Fledermaus. „Wir wollen schließlich auch bei der nächsten Generation das Bewusstsein für die Klöster schärfen“, sagt Museumsleiterin Andrea Knopik.

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Informationen zum Kloster Memleben.